Lehrmaterialien für Modul 8

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Lehrvideos

Ursprung von unbewussten Vorannahmen
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Unser Leben, unsere Kulturen bestehen aus vielen sich überschneidenden Geschichten. Die Schriftstellerin Chimamanda Adichie erzählt, wie sie ihre authentische kulturelle Stimme gefunden hat, und warnt, dass wir ein bedenkliches Missverständnis riskieren, wenn wir nur eine einzige Geschichte über eine andere Person oder ein anderes Land hören.
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Geschlechternormen und Erwartungen aufgrund von Geschlechterrollen
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Aufgabe zum Weiterdenken

Worum geht es in Barbie?

„Es ist eine pinke perfekte Parallelwelt: Barbieland. Hier haben Barbies das sagen, sie sind erfolgreiche, selbstbestimmte Frauen und Kens dürfen auch dort leben. Doch als eine der Barbies (Margot Robbie) plötzlich aus der Reihe tanzt, realistische Gedanken über den Tod hat und sich im angepassten Barbieland nicht mehr zurechtfindet, muss sie einen Ausflug in die Realität machen, um die Person zu finden, die mit ihr in der echten Welt spielt. Ken (Ryan Gosling) begleitet sie auf ihrem Trip durch eine Welt, die so gar nichts mit der perfekten und emanzipierten Welt in Barbieland zu tun hat [- das Patriarchiat]. Die pinke Fassade beginnt zu bröckeln und Barbie muss einen Weg finden, wie sie ihr geliebtes Barbieland vor den schlechten Einflüssen der Realität schützen kann – bevor es zu spät ist.“ (Quelle: https://www.esquire.de/entertainment/film/barbie-film-im-kino)

Wie wird Ken in diesem Video dargestellt? Welche Stereotype werden in dem Video aufgegriffen? Warum ist Ken von der „realen Welt“ begeistert?

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Aufgabe zum Weiterdenken

Wie können die gesellschaftlichen Vorstellungen von Männlichkeit zu einer Akzeptanz von Gewalt gegen Frauen beitragen?

Männer als Betroffene von häuslicher Gewalt
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Aufgaben zum Weiterdenken
1. Welchen Hindernissen stehen Männer gegenüber, wenn sie die Gewalt, die sie in einer Beziehung erleben, melden?
2. Welche Barrieren können durch kulturell geprägte Vorstellungen von Männlichkeit für männliche Betroffene von häuslicher Gewalt auftreten, wenn sie Hilfe bei Behörden, im Rechts- und Gesundheitsbereich suchen?
3. Wie können kulturell geprägte Vorstellungen von Männlichkeit das Hilfesuchverhalten von männlichen Betroffenen häuslicher Gewalt beeinflussen?
4. Wie können die eigenen geschlechtsbezogenen Vorurteile über Männer zu der Sichtweise/Reflexion von männlichen Betroffenen von häuslicher Gewalt zu ihren eigenen Erfahrungen/Reflexionen des Erlebten beitragen?

Objektifizierung von Frauen in den Medien

Beispiele aus Liedtexten

Das folgende Video ist Teil der Kampagne #UNHATEWOMEN von Terre des Femmes, mit der Gewalt gegen Mädchen und Frauen im Alltag und in unserer Sprache sichtbar gemacht werden soll. Im Video lesen Frauen extrem frauenverachtende und gewaltverherrlichende Passagen aus erfolgreichen Rapsongs.

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Aufgabe zum Weiterdenken

Die Rap-Songs, aus denen die Beispiele stammen, werden millionenfach gehört und frauenverachtende Texte sind Teil des Alltags. Was für ein Frauenbild wird in diesen Songs verbreitet? Welchen Einfluss kann das auf die Zuhörenden haben?

Gegenstereotypische Darstellung
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Aufgaben zum Weiterdenken

1. Was ist die Hauptaussage des Videos?
2. Wie und aufgrund welcher Merkmale teilen Sie die Menschen in Gruppen ein? Welche Eigenschaften schreiben Sie ihnen zu? Welche Diskurse bestimmen diese „Klassifizierungen“, woher kommen Ihre Vorurteile (Freundeskreis, Medien, Politik)?
3. Was bedeuten diese Überlegungen für Vielfalt und Inklusion in unserer Gesellschaft?

Individualisierung

Die folgenden drei Videos zeigen, wie das Thema Diversität erfolgreich in Werbekampagnen aufgegriffen wird.

2019 wurde die folgende Starbucks-Werbung mit einem Preis für Vielfalt ausgezeichnet. Der Spot zeigt das Leben von Jemma, die es vorzieht, James genannt zu werden.
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Dieser Trailer war Teil einer Kampagne der Paralympischen Spiele 2016.
Ist hier kein Video zu sehen, bitte einen anderen Browser verwenden oder hier klicken: https://youtu.be/IocLkk3aYlk.
Dove hat Kampagnen ins Leben gerufen, die sich auf echte Menschen konzentrieren – People of Color, die LGBTIQ+-Community und Menschen jeden Alters und jeder Körpergröße. Die Kampagne „Real Beauty“ bringt die Marke auf die Ebene der Verbraucher und nicht auf die Ebene von Models oder Menschen mit einer sogenannten „perfekten“ Größe.
Ist hier kein Video zu sehen, bitte einen anderen Browser verwenden oder hier klicken: https://youtu.be/XpaOjMXyJGk.

Aufgaben zum Weiterdenken

1. Was sind die Hauptaussagen dieser Videos? Was haben sie gemeinsam?
2. Wie hängen sie mit der Strategie der Individualisierung zusammen?
3. Was bedeuten diese Überlegungen für Vielfalt und Inklusion in unserer Gesellschaft?

Weitere empfohlene Videos

Englisch

Deutsch

Fallstudien
Fallstudie: Drogenabhängige von häuslicher Gewalt betroffene Person

Anna ist eine 28-jährige Frau, die seit mehreren Jahren in einer gewalttätigen Beziehung mit ihrem Partner Mark lebt. Neben dem körperlichen und emotionalen Missbrauch kämpft Anna auch mit ihrer Drogenabhängigkeit. Sie ist kokainsüchtig und nimmt die Droge regelmäßig, um mit den traumatischen Erlebnissen in ihrer Beziehung fertig zu werden. Anna hat mehrere erfolglose Versuche unternommen, sich von Mark zu trennen und ihre Sucht zu überwinden.

Aufgaben zum Weiterdenken

1. Wie könnten Stereotype und Vorurteile das Verständnis der Gesellschaft für Betroffene häuslicher Gewalt mit einer Drogenabhängigkeit beeinflussen?
2. Welchen zusätzlichen Herausforderungen könnten Frauen wie Anna durch die Kombination von häuslicher Gewalt und einer Drogenabhängigkeit ausgesetzt sein?
3. Wie könnte das Konzept der Individualisierung dazu beitragen, die Wahrnehmung und das Unterstützungsangebot für von häuslicher Gewalt betroffene Personen mit einer Drogenabhängigkeit zu verbessern?

Fallstudie: Ältere von häuslicher Gewalt betroffene Person

Robert ist ein 80-jähriger Mann, der seit ein paar Jahren mit seinem erwachsenen Sohn Michael zusammenlebt. Leider hat sich ihre Lebenssituation zu einer Situation häuslicher Gewalt entwickelt. Michael misshandelt Robert verbal und körperlich, beschimpft ihn oft und schlägt ihn. Robert fühlt sich aufgrund seines hohen Alters und seiner schwindenden Gesundheit hilflos und gefangen in dieser Situation. Aufgrund seiner körperlichen Einschränkungen und seiner Abhängigkeit von seinem Sohn weiß er nicht, wie er Hilfe finden oder der Gewalt entkommen kann.

Aufgaben zum Weiterdenken

1. Wie könnten Stereotype und Vorurteile die Wahrnehmung älterer von häuslicher Gewalt betroffener Personen durch die Gesellschaft beeinflussen?
2. Welchen zusätzlichen Herausforderungen könnten von häuslicher Gewalt betroffene Personen wie Robert gegenüberstehen, die im hohen Alter Hilfe suchen und der häuslichen Gewalt entkommen wollen?
3. Wie könnte das Konzept der Individualisierung dazu beitragen, das Bewusstsein für ältere von häuslicher Gewalt betroffene Personen zu schärfen und maßgeschneiderte Unterstützung zu bieten?

Fallstudie: Mann als von häuslicher Gewalt betroffene Person

John ist ein 35-jähriger Mann, der eine langjährige Beziehung mit seiner Partnerin Sarah führt. In den letzten Monaten hat sich ihre Beziehung erheblich verschlechtert. Sarah zeigt ein zunehmend aggressives und gewalttätiges Verhalten gegenüber John. Sie schreit ihn an, beschimpft ihn und greift ihn mit Schlägen und Tritten körperlich an. John fühlt sich hilflos und schämt sich zu sehr, um es seinen Freunden oder der Polizei zu erzählen, weil er befürchtet, dass ihm niemand glauben wird und dass er nicht ernst genommen oder als schwach angesehen wird.

Aufgaben zum Weiterdenken

1. Welche Stereotype und unbewusste Vorannahmen finden sich in dieser Fallstudie? Welche eigenen Vorurteile könnten Johns Wahrnehmungen beeinflussen?
2. Welchen Herausforderungen könnten männliche von häuslicher Gewalt betroffene Personen in Bezug auf Stigmatisierung und gesellschaftlicher Wahrnehmung gegenüberstehen?
3. Wie könnte die Kontakttheorie dazu beitragen, die Wahrnehmung von männlichen von häuslicher Gewalt betroffenen Personen zu verändern und schneller Unterstützung zu erhalten?

Fallstudie: Von häuslicher Gewalt betroffene Person mit Behinderung

Emma ist eine 40-jährige Frau mit einer körperlichen Behinderung, die seit langem mit ihrem Mann David verheiratet ist. In den letzten Jahren ist ihre Beziehung zunehmend gewalttätig geworden. David misshandelt Emma sowohl verbal als auch körperlich. Er beleidigt sie wegen ihrer Behinderung und nutzt ihre Abhängigkeit von ihm aus, um Kontrolle und Manipulation auszuüben. Emma fühlt sich in ihrer Hilflosigkeit gefangen, da ihre Behinderung ein zusätzliches Hindernis für die Suche nach Hilfe und die Flucht aus der missbräuchlichen Beziehung darstellt.

Aufgaben zum Weiterdenken

1. Wie können Stereotype und unbewusste Vorannahmen die Wahrnehmung und die verfügbare Unterstützung für behinderte von häuslicher Gewalt betroffene Personen beeinflussen?
2. Welche besonderen Herausforderungen könnten Frauen wie Emma in Bezug auf häusliche Gewalt aufgrund ihrer Behinderung erfahren?
3. Wie könnte die Kontakttheorie dazu beitragen, das Bewusstsein für die Bedürfnisse und die verfügbare Unterstützung von behinderten von häuslicher Gewalt betroffenen Personen zu schärfen und gleichzeitig ihre einzigartigen Erfahrungen anzuerkennen?

Fallstudie: Häusliche Gewalt in einer LGBTIQ+ Partnerschaft

Lisa und Anna sind ein gleichgeschlechtliches Paar in den späten 30ern, das seit einigen Monaten zusammen ist. In letzter Zeit hat Lisa, die sich als lesbisch identifiziert, begonnen, Anna, die sich als bisexuell identifiziert, zu beleidigen. Lisa erniedrigt Anna verbal und benutzt abfällige Ausdrücke im Zusammenhang mit ihrer Bisexualität. Anna fühlt sich gefangen und hat Angst, mit jemandem darüber zu sprechen, da sie sich vor möglicher Stigmatisierung und Diskriminierung sowohl durch die LGBTIQ+-Community als auch durch die Gesellschaft fürchtet. Sie möchte Lisa nicht verlassen, weil sie sie liebt.

Aufgaben zum Weiterdenken

1. Wie können sich Stereotype und Vorurteile auf das Verständnis und die Unterstützung von häuslicher Gewalt betroffenen Personen innerhalb der LGBTIQ+-Gemeinschaft auswirken?
2. Mit welchen zusätzlichen Herausforderungen könnten betroffene Personen wie Anna konfrontiert sein, wenn sie Hilfe suchen und sich aus häuslicher Gewalt in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung befreien wollen?
3. Wie könnte die Kontakttheorie dazu beitragen, das Bewusstsein für häusliche Gewalt zu schärfen, Inklusion zu fördern und betroffenen Personen aus der LGBTIQ+-Community, die häusliche Gewalt erleben, maßgeschneiderte Unterstützung zu bieten?

Fallstudie: Gewalt und sozialer Status

Isabell ist eine 35-jährige Frau, die in einer gehobenen Wohngegend lebt. Sie ist seit 10 Jahren mit ihrem Mann, Karl, verheiratet. Karl, ein erfolgreicher Geschäftsmann, schlägt sie regelmäßig und sagt ihr, sie solle die blauen Flecken mit ihrer Kleidung bedecken. Isabell befürchtet, dass die Inanspruchnahme von Hilfe ihren Ruf und ihre gesellschaftliche Stellung schädigen könnte.

Aufgaben zum Weiterdenken

1. Wie können sich Stereotype und Vorurteile über den sozioökonomischen Hintergrund auf die Wahrnehmung von häuslicher Gewalt auswirken?
2. Mit welchen zusätzlichen Herausforderungen könnten betroffene Personen wie Isabell konfrontiert sein, wenn sie, in Anbetracht ihres sozioökonomischen Status, Hilfe suchen und sich von häuslicher Gewalt befreien wollen?
3. Wie könnte ein Verständnis der Machtdynamik, einschließlich der finanziellen Kontrolle, zur Verbesserung der Unterstützungssysteme für betroffene Personen wie Isabell in gehobenem Milieu beitragen?

Fallstudie: Von häuslicher Gewalt betroffene Person mit Migrationshintergrund

Amina ist eine 30-jährige Frau, die aus einer konservativen, patriarchalen Gesellschaft in ein europäisches Land eingewandert ist. Bei der Anpassung an ihr neues Leben steht sie vor zahlreichen Herausforderungen. Aminas Ehemann Farid nutzt ihren Einwandererstatus und ihre begrenzten Sprachkenntnisse als Mittel der Manipulation und Kontrolle. Er schürt ihre Angst vor der Abschiebung und die Isolation von ihrer Familie und Gemeinschaft ausnutzt, was sie zögern lässt, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Aufgaben zum Weiterdenken

1. Wie können kulturelle Stereotypen und Vorurteile die Wahrnehmung und Unterstützung von Migrantinnen wie Amina, die häusliche Gewalt erleben, beeinflussen?
2. Welchen zusätzlichen Herausforderungen könnte Amina aufgrund ihres Migrationshintergrunds in Bezug auf häusliche Gewalt und der Suche nach Hilfe gegenüberstehen?
3. Welche Rolle könnte kulturelle Sensibilität und Wissen über besondere Herausforderungen in Bezug auf Aufenthalt und Sozialleistungen bei der Unterstützung von Migrantinnen spielen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, während gleichzeitig ihre einzigartigen kulturellen Erfahrungen respektiert werden?

Rollenspiele
Rollenspiel: Perspektivenübernahme bei häuslicher Gewalt in der Notaufnahme

Für Trainer:innen:

  • Jede:r Teilnehmende sollte die ihm oder ihr zugewiesene Rolle übernehmen: Julia (Betroffene), David (Partner) und Dr. Meyer (Arzt).
  • Die Teilnehmenden sollten in ihrer Rolle bleiben und aus der Perspektive der ihnen zugewiesenen Rolle reagieren.
  • Das Rollenspiel sollte sich organisch entwickeln, indem die Teilnehmenden Gespräche führen und miteinander in Kontakt treten und sich dabei an dem vorgegebenen Schauplatz und der vorgegebenen Szene orientieren.

Was die Teilnehmenden in diesem Rollenspiel lernen sollten:

  • Die Teilnehmenden sollten die Dynamik häuslicher Gewalt je nach Rolle und Gruppe, der sie angehören, verstehen.
  • Die Teilnehmenden sollten sich als Ärzt:innen in Empathie und Perspektivenübernahme üben.

Varianten: Wiederholen Sie das Rollenspiel mit verschiedenen Betroffenen- und/oder Täterkonstellationen. Dieses Mal ist der Betroffene Davids schwuler Partner Alex, Davids körperlich beeinträchtigte Frau Elisabeth oder Davids alter Vater Arthur, der bei ihm lebt.

Rollen:

1. Betroffene von häuslicher Gewalt: Julia

2. Partner: David

3. Arzt/Ärztin: Dr. Meyer

Schauplatz:

Julia leidet unter starken Unterleibsschmerzen und sucht die Notaufnahme eines Krankenhauses auf. David, ihr Partner, begleitet sie. Dem Arzt/der Ärztin ist nicht bewusst, dass Julia von David in den Bauch geboxt worden ist. In dieser Beziehung gibt es seit vielen Jahren häusliche Gewalt.

Szene:

Julia und David betreten die Notaufnahme. Dr. Meyer, der Arzt/die Ärztin, begrüßt sie und bittet Julia sich zu setzen.

Dr. Meyer: Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?

Julia: Hallo, ich –

David (unterbricht): Julia hat starke Unterleibsschmerzen. Es wird immer schlimmer. Aus diesem Grund sind wir hergekommen.

Dr. Meyer: Ich verstehe. Wir werden uns darum kümmern. Julia, könnten Sie mir bitte mehr Informationen dazu geben, wann und wie Ihre Unterleibsschmerzen begonnen haben, wie sie sich im Moment anfühlen und ob Sie andere Symptome bemerkt haben?

Julia: Der Schmerz ist ständig da und sitzt in meinem Unterbauch. Ich –

David (unterbricht): Ihr ist schlecht und sie hat keinen Appetit mehr.

Dr. Meyer: Vielen Dank für die Information. Julia, hatten Sie in letzter Zeit Verletzungen oder gab es besondere Vorkommnisse, die Ihre Schmerzen verursacht haben könnten?

David (unterbricht): Nein, sie hat sich nicht verletzt. Es ist wahrscheinlich nur eine Magenverstimmung.

Wie könnte das Gespräch an dieser Stelle weitergehen?

Aufgaben zum Weiterdenken

1. Wie haben Sie sich in der Rolle von Julia, der von häuslicher Gewalt betroffenen Person, gefühlt? Welche Emotionen hat die Übernahme dieser Rolle in Ihnen ausgelöst?
2. Wie haben Sie sich in der Rolle von David, dem Partner, gefühlt, als Sie die Perspektive des Täters einnahmen?
3. Wie haben Sie sich in der Rolle von Dr. Meyer gefühlt, der/die als Arzt/Ärztin versucht Julias Symptome zu beurteilen? Fiel es Ihnen schwer, ein Gleichgewicht zwischen der Empathie für die betroffene Person und der Wahrung Ihrer beruflichen Grenzen zu finden?
4. Was haben Sie in diesem Rollenspiel über die Bedeutung der Perspektivenübernahme und des Einfühlungsvermögens gegenüber von häuslicher Gewalt betroffenen Personen gelernt?

Rollenspiel: Perspektivenübernahme bei häuslicher Gewalt in der Notfallsprechstunde einer Zahnklinik

Für Trainer:innen:

  • Jede:r Teilnehmende sollte die ihm oder ihr zugewiesene Rolle übernehmen: Jenny (Betroffene), Mark (Partner) und Dr. Müller (Zahnarzt/Zahnärztin).
  • Die Teilnehmenden sollten in ihrer Rolle bleiben und aus der Perspektive der ihnen zugewiesenen Rolle reagieren.
  • Das Rollenspiel sollte sich organisch entwickeln, indem die Teilnehmenden Gespräche führen und miteinander in Kontakt treten und sich dabei an dem vorgegebenen Schauplatz und der vorgegebenen Szene orientieren.

Was die Teilnehmenden in diesem Rollenspiel lernen sollten:

  • Die Teilnehmenden sollten die Dynamik häuslicher Gewalt je nach Rolle und Gruppe, der sie angehören, verstehen.
  • Die Teilnehmenden sollten sich als Zahnarzt/Zahnärztin in Empathie und Perspektivenübernahme üben.

Varianten: Wiederholen Sie das Rollenspiel mit verschiedenen Betroffenen- und/oder Täterkonstellationen. Dieses Mal ist der Betroffene Marks schwuler Partner Peter, Marks körperlich beeinträchtigte Frau Renate oder Marks alter Vater Martin, der bei ihm lebt.

Rollen:
1. Betroffene von häuslicher Gewalt: Jenny
2. Partner: Mark
3. Zahnarzt/Zahnärztin: Dr. Müller

Schauplatz:
Jenny leidet unter starken Kieferschmerzen und sucht die Notfallsprechstunde einer Zahnarztpraxis auf. Mark, ihr Partner, begleitet sie. Dem Zahnarzt/der Zahnärztin ist nicht bewusst, dass Jenny von Mark ins Gesicht geschlagen worden ist. In dieser Beziehung gibt es seit vielen Jahren häusliche Gewalt.

Szene:
Jenny und Mark betreten das Behandlungszimmer. Dr. Müller, der Zahnarzt/die Zahnärztin, begrüßt sie und bittet Jenny sich zu setzen.

Dr. Müller: Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?

Jenny: Hallo, ich –

Mark (unterbricht): Jenny hat starke Kieferschmerzen. Es wird immer schlimmer. Aus diesem Grund sind wir hergekommen.

Dr. Müller: Ich verstehe. Wir werden uns darum kümmern. Jenny, könnten Sie mir bitte mehr Informationen dazu geben, wann und wie Ihre Kieferschmerzen begonnen haben, wie sie sich im Moment anfühlen und ob Sie andere Symptome bemerkt haben?

Jenny: Der Schmerz ist ständig da und sitzt in meinem rechten Gesichtsbereich. Ich –

Mark (unterbricht): Sie kann ihren Mund nur unter Schmerzen öffnen und das Kiefergelenk knackt.

Dr. Müller: Vielen Dank für die Information. Jenny, hatten Sie in letzter Zeit Verletzungen, Stürze, Unfälle oder gab es besondere Vorkommnisse, die Ihre Schmerzen verursacht haben könnten?

Mark (unterbricht): Nein, sie hat sich nicht verletzt. Ich vermute, dass Jenny nur mit den Zähnen knirscht.

Wie könnte das Gespräch an dieser Stelle weitergehen?

Aufgaben zum Weiterdenken

1. Wie haben Sie sich in der Rolle von Jenny, der von häuslicher Gewalt betroffenen Person, gefühlt? Welche Emotionen hat die Übernahme dieser Rolle in Ihnen ausgelöst?
2. Wie haben Sie sich in der Rolle von Mark, dem Partner, gefühlt, als Sie die Perspektive des Täters einnahmen?
3. Wie haben Sie sich in der Rolle von Dr. Müller gefühlt, der/die als Zahnarzt/Zahnärztin versucht Jennys Symptome zu beurteilen? Fiel es Ihnen schwer, ein Gleichgewicht zwischen der Empathie für die betroffene Person und der Wahrung Ihrer beruflichen Grenzen zu finden?
4. Was haben Sie in diesem Rollenspiel über die Bedeutung der Perspektivenübernahme und des Einfühlungsvermögens gegenüber von häuslicher Gewalt betroffenen Personen gelernt?

Überprüfung des Kenntnisstandes

Quiz: Stereotype und unbewusste Vorurteile

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Weitere Lehrmaterialien
Objektifizierung von Frauen in den Medien

Aufgabe

Kennen Sie aktuelle Beispiele für dieses Phänomen in den Medien? Wenn nicht, nehmen Sie sich 10 Minuten Zeit, um etwas zu recherchieren.

Beispiele aus lyrischen Texten

„Ich schlafe gerne mit dir, wenn du schläfst.
Wenn du dich überhaupt nicht regst.
Mund ist offen, Augen zu.
Der ganze Körper ist in Ruhe.
Kann dich überall anfassen.
Schlaf gerne mit dir, wenn du träumst.
Und genau so soll das sein (so soll das sein so macht es Spaß).
Etwas Rohypnol im Wein (etwas Rohypnol ins Glas).
Kannst dich gar nicht mehr bewegen.
Und du schläfst, es ist ein Segen.“

„Wenn du schläfst“ (2020) von Till Lindemann

Aufgabe zum Weiterdenken

Hier spreche nicht der Dichter, sondern sein lyrisches Ich, hieß es 2020 über das Gedicht „Wenn du schläfst“ von Till Lindemann. Worum geht es in diesem Gedicht? Warum ist eine Berufung auf das lyrische Ich in diesem Fall problematisch?

Fälle von Prominenten
Chris Brown

Im Jahr 2009 verprügelte Chris Brown Rihanna und es tauchten Bilder von ihrem blutverschmierten Gesicht auf. Nach dem Bekanntwerden dieser Informationen konzentrierten sich die Medien nicht auf die Taten von Chris Brown, sondern gaben Rihanna die Schuld.

Selbst nachdem die Fakten des Falls öffentlich gemacht wurden, gingen die Anschuldigungen gegen Rihanna weiter. Die Leute konzentrierten sich darauf, warum sie zurückging, anstatt zu fragen, „Warum hat Chris Brown das getan?“ oder „Warum akzeptiert unsere Gesellschaft weiterhin häusliche Gewalt?“

Aufgabe zum Weiterdenken

Was glauben Sie, warum Rihanna in der Beziehung geblieben ist?

Harvey Weinstein

Der Missbrauch und die sexuellen Übergriffe von Harvey Weinstein auf Frauen haben dazu geführt, dass das Thema sexualisierte Gewalt sowohl aufgrund seiner prominenten Stellung als Hollywood-Filmproduzent als auch der Zahl der betroffenen Personen, die gegen ihn ausgesagt haben, stärker in den Fokus gerückt ist.

Ende 2017 berichteten mehr als 100 Frauen über Weinsteins Übergriffe auf sie. Weinstein vergewaltigte sie, zeigte sich nackt vor ihnen, zwang sie, ihn zu massieren, bot ihnen im Gegenzug für sexuelle Gefälligkeiten ein berufliches Fortkommen an und vieles mehr. Er wurde aus seinem Unternehmen und vielen internationalen Filmorganisationen ausgeschlossen und anschließend wegen Vergewaltigung, kriminellen sexuellen Handlungen, sexuellen Missbrauchs und sexuellen Fehlverhaltens angeklagt, was zu seiner Verhaftung führte. Weinsteins erste Reaktion auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe war ein Brief, in dem er behauptete, der Grund für sein Handeln sei, dass er in den 1960er Jahren geboren wurde.

Die Taten von Harvey Weinstein und die daraus resultierende Flut von Berichten lösten die internationale #MeToo-Kampagne in den sozialen Medien aus, die von Tarana Burke ins Leben gerufen wurde. Diese Bewegung war ein Aufruf zur Sensibilisierung in Bezug auf diese Verbrechen, indem Menschen ihre Geschichten über sexuelle Übergriffe oder Belästigungen durch Männer erzählten.

Bislang hat die #MeToo-Bewegung zu einer beispiellosen Medienaufmerksamkeit und einem politischen Diskurs geführt, aber sie hat auch Druck auf Betroffene ausgeübt und ist auf Gegenreaktionen gestoßen.

Aufgabe zum Weiterdenken

Sind Sie mit der #MeToo-Bewegung vertraut? Fallen Ihnen andere ähnliche Bewegungen ein? Welche positiven und negativen Auswirkungen hat die #MeToo-Bewegung Ihrer Meinung nach auf die Betroffenen gehabt?

Darstellung von LGBTIQ+ in den Medien

In der Vergangenheit haben die Medien die Existenz von LGBTIQ+-Personen weitgehend ignoriert und die meisten Inhalte, die die Erfahrungen von LGBTIQ+ darstellten, waren voller veralteter Stereotypen und stellten diese häufig als psychisch krank dar, was zu ihrer Diskriminierung beitrug.

Welche Geschlechterbilder zeigen heutige Serien von Streaming-Anbietern, die in Deutschland ausgestrahlt werden? Wie oft sind Männer, Frauen und nicht-binäre Personen in zentralen Rollen zu sehen? Wie werden sie dargestellt? Diesen Fragen geht eine von der Film- und Medienstiftung NRW, dem ZDF und der MaLisa Stiftung geförderte Studie nach. Sie bietet erstmals eine Bestandsaufnahme, auch im Hinblick auf ethnische Diversität und sexuelle Orientierung.

Aufgabe zum Weiterdenken

Welche Auswirkungen kann eine fehlende oder falsche Repräsentation auf die Wahrnehmung von Fällen häuslicher Gewalt in LGBTIQ+-Beziehungen haben? Wie kann eine vielfältige mediale Repräsentation dazu beitragen, Stereotype abzubauen?

Täter-Betroffenen-Umkehr
Übung: Täter-Betroffenen-Umkehr bei einer Vergewaltigung

Die folgende Übung soll auf die häufige Beschuldigung von Betroffenen von Vergewaltigungen hinweisen. Siehe auch die Definition „Judicial Bias“ unter Erscheinungsformen von Vorurteilen. Stellen Sie sich vor, dass diese Art von Fragen einer eines Raubes betroffenen Person gestellt würden. Der folgende Text soll illustrieren, wie eine solche Befragung dann ablaufen würde.

„Herr Schmidt, Sie wurden an der Ecke der Hauptstraße mit einer Waffe bedroht?” 
Ja.”

„Haben Sie sich gegen den Räuber gewehrt?” 
Nein.”

„Warum nicht?” 
Er war bewaffnet.”

„Dann haben Sie sich bewusst dafür entschieden, seinen Forderungen nachzukommen, anstatt sich zu wehren?” 
Ja.”

„Haben Sie geschrien? Oder laut gerufen?” 
Nein, ich hatte Angst.”

„Aha, ich verstehe. Sind Sie schon einmal früher überfallen worden?” 
Nein.”

„Haben Sie jemals Geld verschenkt?” 
Ja, natürlich.”

„Und Sie haben das freiwillig getan?” 
Worauf wollen Sie hinaus?“

„Sagen wir es mal so, Herr Schmidt. Sie haben in der Vergangenheit Geld verschenkt. Sie haben sogar einen guten Ruf als Menschenfreund. Wie können wir sicher sein, dass Sie nicht DAGEGEN waren, dass Ihnen gewaltsam Geld entwendet wurde?” 
Hören Sie, wenn ich wollte –”

„Das macht nichts. Wann hat dieser Überfall stattgefunden, Herr Schmidt?
Gegen 23 Uhr”

„Sie waren um 23 Uhr auf der Straße? Und was haben Sie da gemacht?“ ” 
Nur spazieren gegangen.”

„Nur spazieren gegangen? Sie wissen, dass es gefährlich ist, sich so spät nachts auf der Straße aufzuhalten. War Ihnen nicht bewusst, dass Sie hätten überfallen werden können?” 
Ich hatte nicht daran gedacht.”

„Was hatten Sie zu dieser Zeit an, Herr Schmidt?” 
Mal sehen… einen Anzug. Ja, einen Anzug.”

„Ein teurer Anzug?” 
Ja, wissen Sie, ich bin ein erfolgreicher Rechtsanwalt.”

„Mit anderen Worten, Herr Schmidt, Sie sind spät nachts in einem Anzug durch die Straßen gelaufen, der praktisch dazu eingeladen hat, Sie als ein gutes Ziel für leicht verdientes Geld auszuwählen, ist dem nicht so? Ich meine, wenn wir es nicht besser wüssten, Herr Schmidt, könnten wir sogar denken, dass Sie es so gewollt haben, nicht wahr?”

Adaptiert nach “The Legal Bias Against Rape Victims (The Rape of Mr. Smith).” Connie K. Borkenhagen, American Bar Association Journal. April, 1975

Unbewusste Vorannahmen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt und ihre Folgen
Gegenstereotypische Darstellung
Ungewöhnlich?
https://end-gender-stereotypes.campaign.europa.eu/index_en

Nehmen Sie sich Zeit, um über das Bild nachzudenken.

  1. Was ist Ihre erste Reaktion auf dieses Bild?
  2. Gibt es traditionelle Geschlechterrollen, an die Sie denken, wenn Sie dieses Bild sehen? Wenn ja, welche?
  3. Inwiefern kann dieses Bild traditionelle Geschlechterrollen infrage stellen oder sie verstärken?
  4. Welche Annahmen könnten bei Ihnen aufkommen, wenn Sie einen Mann sehen, der eine Tätigkeit ausübt, die traditionell mit Frauen in Verbindung gebracht wird?

Hinterfragen Sie folgende Beispiele:

Beispiel I: Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie eine Feuerwehrfrau oder eine Ingenieurin sehen? Ist das für sie unerwartet?

Betrachten Sie nicht nur die Zahlen, sondern auch das, was sich hinter den Zahlen verbirgt:

  • 35% der Europäer:innen glauben, dass Männer ehrgeiziger sind als Frauen.
  • 36% – so viel verdienen Frauen insgesamt im Durchschnitt weniger als Männer.
  • 20% der Absolvent:innen in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) sind Frauen.

Beispiel II: Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie einen berufstätigen Vater sehen, der Aufgaben im Haushalt und die Betreuung der Kinder übernimmt? Ist das für Sie etwas Ungewöhnliches?

Betrachten Sie nicht nur die Zahlen, sondern auch das, was sich hinter den Zahlen verbirgt:

  • 44% der Europäer:innen sind der Meinung, dass die wichtigste Aufgabe einer Frau darin besteht, sich um Haus und Familie zu kümmern.
  • 82% der Personen, die aus Betreuungsgründen Teilzeit arbeiten, sind Frauen.
  • 21% der Männer verbringen mehr als 5 Stunden pro Tag mit der Betreuung ihrer Kinder, verglichen mit 40 % der Frauen.
Überraschend?
https://end-gender-stereotypes.campaign.europa.eu/index_en
Creator: Philippe BUISSIN | Copyright: © European Union 2021 – Source: EP

Beispiel III: Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie eine Präsidentin sehen, die eine hochrangige Offizierin auszeichnet? Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie eine schwarze Frau als Mitglied des Europäischen Parlaments sehen? Ist das für Sie überraschend?

Betrachten Sie nicht nur die Zahlen, sondern auch das, was sich hinter den Zahlen verbirgt:

  • 69% der Europäer:innen glauben, dass Frauen eher als Männer Entscheidungen auf der Grundlage ihrer Gefühle treffen.
  • 32% der Mitglieder der nationalen Parlamente in der EU sind Frauen.
  • 5% der gewählten Mitglieder des Europäischen Parlaments (2019-2025) gehören einer ethnischen Minderheit an.
  • 8% der Vorstandsvorsitzenden in großen börsennotierten Unternehmen in der EU sind Frauen.

Aufgabe zum Weiterdenken

Fällt Ihnen ein eigenes Beispiel für ein „Wegdenken“ von Stereotypen ein? Was sehen Sie, wenn Sie hinter die Zahlen schauen, die zu ihrem Beispiel passen?