Fallstudien und Szenarien-basiertes Lernen

Fallstudien
Szenarien-basiertes Lernen
IMPRODOVA Szenarien-basiertes Lernmodul zur Risikobeurteilung bei häuslicher Gewalt

Fallstudien

Fallstudie: Wie Sozialdienste die Untersuchung von häuslicher Gewalt unterstützen können

Eine Frau hat die Polizei gerufen, weil ihr Mann sie verprügelt hat. Die Polizei leitete – nach ihren Verletzungen – ein Strafverfahren wegen leichter Körperverletzung ein. Einige Stunden nachdem sie in einer Schutzeinrichtung aufgenommen wurde, verschlechterte sich ihr körperlicher Zustand erheblich. Ein Sozialarbeiter spricht mit dem Opfer über die jetzt sichtbare Schwere der Verletzungen. Mit dem Einverständnis des Opfers, beschloss der Direktor des Heims, einen Krankenwagen zu rufen und Fotos der Verletzungen zu machen und sie zu der Polizei zu schicken, weil er aufgrund der Verletzungen zu dem Schluss kam, dass das Verbrechen schwerer ist als eine leichte Körperverletzung. Da das Opfer die Informationen mit der Polizei teilen will, ist es ihm gesetzlich erlaubt, dies zu tun. Das Gericht – auf der Grundlage des medizinischen Berichts, der gesicherten medizinischen Beweise und der von der Unterkunft geschickten Fotos – stufte den Fall als Mordversuch ein. Manchmal ist proaktives Handeln der Sozialdienste bei der Bearbeitung von Fällen häuslicher Gewalt unerlässlich. Sie stehen in engem Kontakt mit dem Opfer und verfügen dadurch über entscheidende Informationen, die die Untersuchung unterstützen könnten. Sie können den Behörden nicht nur bei der rechtzeitigen Dokumentation der Verletzungen helfen, sondern auch dadurch, dass sie Informationen über den Fall weitergeben, die die Opfer wahrscheinlich nicht an die Polizei oder andere Einsatzkräfte weitergegeben haben. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sind ein wichtiger Teil interorganisatorischer Hilfsnetzwerke.

Aufgaben

(1) Welche weiteren Hilfsangebote können der Frau zur Verfügung gestellt werden durch den sozialen Sektor?
(2) Welche Informationen sind wichtig, der jungen Frau zu übermitteln, damit sie ihre Situation bestmöglich einschätzen kann?
(3) Wo sehen Sie die größten Herausforderungen in den kommenden Wochen für das Opfer und wie würden Sie diesen begegnen?
(4) Wie reagieren Sie, wenn die Frau Ihnen im Gespräch anvertraut, dass Sie gerne zu Ihrem Mann zurückkehren möchte?

Fallstudie: Häusliche Gewalt schadet auch Kindern

Gabby heiratete nach einer langen Beziehung ihren Ehemann Nick und zog kurz darauf auf den Bauernhof ihres Mannes um. Das Paar war auf dem Bauernhof glücklich und bekam bald ihr erstes Kind. Während der Schwangerschaft begann sich Nicks Verhalten zu ändern, und als ihre Tochter geboren wurde, „fühlte“ sich die Beziehung nicht mehr wie zuvor an. Nick wirkte zurückgezogen und verbrachte lange Zeit allein. Er begann, Gabby an Nicks Vater zu erinnern, der immer sehr streng gegenüber Nick war.
Nicks Verhalten wurde bedrohlich und kontrollierend, insbesondere in Bezug auf Geld und soziale Kontakte. Er wurde bei Auseinandersetzungen zunehmend aggressiv, schrie oft und warf Gegenstände durch den Raum. Gabby dachte, da er sie nicht körperlich verletzte, stelle sein Verhalten keinen Missbrauch dar. Nick zeigte kein großes Interesse an der Tochter Jane, außer in der Öffentlichkeit, wo er ein vernarrter und liebevoller Vater zu sein schien.
Jane war im Allgemeinen ein wohlerzogenes Kind, aber Gabby stellte fest, dass sie nicht in der Lage war, sie bei jemand anderem zu lassen. Jane weinte und wurde sichtlich verzweifelt, wenn Gabby sie jemand anderem übergab. Dies war für Gabby belastend und bedeutete auch, dass ihre sozialen Aktivitäten weiter eingeschränkt wurden.
Jane brauchte lange Zeit, um zu krabbeln, zu gehen und zu sprechen. Ihr Schlafmuster wurde unterbrochen, und Gabby schlief die Nacht nicht oft durch, selbst als Jane über 12 Monate alt war. Als Jane zu sprechen begann, entwickelte sie ein Stottern, was ihre Sprachentwicklung weiter behinderte. Gabby machte sich große Sorgen um Jane. Ihr Hausarzt sagte ihr, dass dies bei einigen Kindern normal sei und dass sie, wenn die Sprachprobleme fortbestünden, Jane jederzeit zu einem späteren Zeitpunkt zu einem Spezialisten schicken können.
Nach einigen Jahren wurde Nicks Verhalten für Gabby inakzeptabel. Während der Auseinandersetzungen hatte er das Gewehr, das er für landwirtschaftliche Zwecke gekauft hatte, in die Hand genommen, und Gabby empfand dies als sehr bedrohlich. Bei einer Reihe von Gelegenheiten trafen Gegenstände, die Nick warf, Gabby, und sie hatte zunehmend Angst um ihre Tochter. Gabby beschloss, das Haus zu verlassen, und wandte sich an die örtliche Frauenberatungsstelle, die ihr half, ein Annäherungsverbot gegen Nick zu erwirken.
Nachdem Jane keinen Kontakt mir Nick mehr hatte, änderte sich ihr Verhalten. Janes Entwicklung schien sich zu beschleunigen, und Gabby konnte zuerst nicht verstehen, warum. Im Rahmen ihrer Beratung bei einer örtlichen Beratungsstelle erörterte sie dieses Thema, und ihre Beraterin erklärte ihr, dass die die Entwicklungsverzögerung, das Stottern, die Irritation und die Trennungsangst bei Jane dadurch kam, dass sie in einer missbräuchlichen Situation gelebt hatte.

Aufgaben zur weiteren Reflektion

(1) Was hätten der Hausarzt oder die Hausärztin besser machen können?
(2) Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um zu überlegen, an welchen Stellen und welche Fachkräfte möglicherweise an der Unterstützung und/oder Bereitstellung von Diensten für Opfer häuslicher Gewalt hätten früher beteiligt werden müssen.
(3) Listen Sie die verschiedenen Professionen auf, die das multidisziplinäre Team in Ihrer Organisation bilden und die an der Erbringung von Dienstleistungen für Menschen, die häusliche Gewalt erlebt haben, beteiligt sein könnten (dies ist je nach Ihrem Standort unterschiedlich).

Zu dem breiten Spektrum von Fachleuten, Diensten und Fachstellen, die möglicherweise an der Unterstützung von Opfern häuslicher Gewalt beteiligt sind gehören – ohne darauf beschränkt zu sein – Dienste der primären und sekundären Gesundheitsfürsorge, der psychischen Gesundheitsfürsorge, der Dienste für sexuelle Gewalt, der Sozialfürsorge, der Strafverfolgungsbehörden, der Polizei, der Bewährungshilfe, der Jugendgerichtsbarkeit, des Substanzmissbrauchs, spezialisierter Agenturen für häusliche Gewalt, Kinderdienste, Wohnungsdienste und Bildung. Die untere Flowchart illustriert die Zusammenarbeit all dieser Dienste im Kontext häuslicher Gewalt.

Adaptiert nach einer Fallstudie aus RACGP (2014): Abuse and Violence: Working with our patients in general practice


Szenarien-basiertes Lernen

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IMPRODOVA Szenarien-basiertes Lernmodul zur Risikobeurteilung bei häuslicher Gewalt

Im Rahmen eines Teilprojektes des EU-Projektes IMPRODOVA wurde von den Partnern ein Szenarien-basiertes Lernmodul zur Risikobeurteilung bei häuslicher Gewalt entwickelt (D 3.3).

Das Szenarien-basierte Lernmodul zur Risikoeinschätzung häuslicher Gewalt ermöglicht es, online mehr über die verschiedenen Verfahren der Risikoeinschätzung im Fall von Nora zu erfahren, um ein besseres Verständnis der beteiligten Prozesse zu erlangen. Das Modul kann auch heruntergeladen werden, um es zum Beispiel in einem Workshop zu verwenden.

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