Die Polizei als Ersthelfer bei häuslicher Gewalt in 15 Minuten

Weltweit sind 38 Prozent aller Morde an Frauen in Paarbeziehungen (sogenannte „Femizide“) begangen worden.

EIGE 2019

Fünfzehnmal mehr Menschen wurden durch ihre Partner ermordet, als durch Terrorismus in Großbritannien ihr Leben verloren haben.

The Guardian 2019

Lernziele

Das Ziel dieser 15 Minuten ist es, Sie in ihrer Arbeit mit Opfern und Tätern von häuslicher Gewalt zu unterstützen.


IMPRODOVA: Was passiert, wenn man die Polizei ruft?


Wie kann man die Polizei in ihrer Arbeit mit häuslicher Gewalt unterstützen?

Der Polizei kommt eine wichtige Schlüsselrolle bei der Intervention und Prävention von häuslicher Gewalt zu. Untersuchungen (Johnson, 2004) zeigen jedoch, dass Polizeibeamte und Polizeibeamtinnen oft über das Verhalten der Opfer, die Arbeitsweise der Strafgerichte, die Arbeitsweise ihrer Abteilung und deren informellen Arbeitsprozesse, sowie über die Komplexität der Möglichkeiten, Gesetze anzuwenden, frustriert sind.

Häusliche Gewalt ist ein schwieriges soziales Problem, das von der Polizei allein nicht gelöst werden kann. Dennoch ist es kein seltenes Phänomen, dass Polizeipatrouillen wertvolle und die oft zu knappe Zeit ihrer Arbeit damit verbringen, ein Opfer häuslicher Gewalt zu motivieren, ihre oder seine missbrauchende Beziehung zu verlassen und gleichzeitig keine Strafanzeige gestellt werden kann, da das Opfers das nicht möchte.

Um die Polizei in dieser wichtigen Arbeit zu unterstützen sollte folgendes etabliert sein:

Erstens, alle Polizeibeamte und Polizeibeamtinnen, die in ihrer Arbeit mit häuslicher Gewalt konfrontiert sind, sollten eine Schulung erhalten, damit sie häusliche Gewalt als Phänomen verstehen, ihre Aufgaben und Pflichten kennen, die Aufgaben und Pflichten der anderen kennen, die mit Fragen häuslicher Gewalt arbeiten, und die Aufgaben und Verfahren der anderen Akteure (z.B. Sozialarbeiter, medizinische Versorgung, NGOs) besser verstehen können.

Zweitens ist es für eine wirksame Intervention bei häuslicher Gewalt wichtig, behördenübergreifend in Teams zusammenzuarbeiten. Eine wirksame Prävention von häuslicher Gewalt erfordert daher die Zusammenarbeit mehrerer Behörden sowie auf häusliche Gewalt spezialisierter Polizeibeamter und Polizeibeamtinnen.

Drittens sollten den Polizeibeamten und Polizeibeamtinnen einfach zu nutzende Instrumente zur Risikobewertung und zum Risikomanagement zur Verfügung gestellt werden. Mit Hilfe dieser Instrumente können bereits bei der ersten Begegnung wichtige Informationen über mögliche Risiken im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt gesammelt werden. Diese Informationen sind für die behördenübergreifenden Teams notwendig, deren Aufgabe es ist, Wege zu finden, das Opfer und den/die Täter/in dabei zu unterstützen, Hilfe zu erhalten. Es ist auch wichtig, zu verstehen, dass Opfer aufgrund von Traumatisierung, Abhängigkeit und/oder Angst die missbrauchende Beziehung nicht verlassen können, sondern möglicherweise mehrmals die Hilfe des Hilfsnetzwerks benötigen, bevor er oder sie bereit ist, die missbrauchende Beziehung zu verlassen. Wie Studien zeigen, kann eine Trennung oder Scheidung die gefährlichste Zeit für ein Opfer sein, durch den/die Täter/in erneut Gewalt zu erleben. Da es also die Aufgabe von Teams aus mehreren Behörden ist, das Opfer dabei zu unterstützen, die missbrauchende Beziehung zu verlassen, ist es die Aufgabe der Polizei, die Risiken für die Opfer zu minimieren und entsprechende Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz des Opfers zu ergreifen.


Quellen

Europäisches Institut für Gleichstellungsfragen EIGE (2019). Ein Leitfaden zur Risikobewertung und zum Risikomanagement bei Gewalt von Intimpartnern gegen Frauen für die Polizei

Johnson, R. R. (2004). Frustrationen von Polizeibeamten im Umgang mit Anrufen wegen häuslicher Gewalt. Die Zeitschrift der Polizei, 77(3), 207-219


Was ist häusliche Gewalt?

Häusliche Gewalt ist ein Machtmissbrauch innerhalb einer häuslichen Beziehung, zwischen Verwandten, Partnern oder Ex-Partnern. Sie beinhaltet, dass eine Person Kontrolle über eine andere Person ausübt, sie einschüchtert und/oder ängstigt. Häusliche Gewalt wird oft als ein Missbrauchsmuster erlebt, das mit der Zeit eskaliert.

Häusliche Gewalt ist nicht notwendigerweise physisch und kann folgende Formen einschließen:

  • Sexueller Missbrauch
  • Emotionaler oder psychologischer Missbrauch
  • Verbaler Missbrauch
  • Stalking und Einschüchterung, einschließlich des Einsatzes von Informations- und Kommunikationstechnologie
  • Soziale und geographische Isolation
  • Finanzieller Missbrauch
  • Gewalt gegenüber Haustieren
  • Sachschäden

Häusliche Gewalt ist ein großes, gesellschaftliches Problem mit verschiedenen negativen gesundheitlichen Folgen. Zusätzlich zu akuten Verletzungen kann häusliche Gewalt zu mehreren Langzeiterkrankungen führen und ist mit einem insgesamt schlechten Gesundheitszustand und hohen Krankenhausaufenthaltsraten verbunden. In Ermangelung eines klaren Folgeprotokolls bleiben die meisten Opfer ohne jegliche weitere Intervention.

Formen der Gewalt

Physische Gewalt ist jede Anwendung von körperlicher Gewalt oder die Androhung von körperlicher Gewalt, die das Opfer dazu zwingt, etwas zu tun oder zu lassen oder zu erleiden oder es einzuschränken oder dem Opfer Schmerzen, Angst oder Demütigung zu verursachen. Sie ist unabhängig davon, ob eine Körperverletzung im strafrechtlichen Sinne eingetreten ist oder nicht.

Psychologische Gewalt ist die Durchführung und Verbreitung von Informationen, durch die der Gewalttäter beim Opfer Angst, Erniedrigung, Minderwertigkeitsgefühle, Gefahr und andere psychische Belastungen hervorruft, auch wenn sie unter Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie begangen wird.

Sexuelle Gewalt ist jedes Verhalten bezogen auf sexuelle Handlungen, in die das Opfer nicht einwilligt, zu denen es gezwungen wird oder die es aufgrund seines Entwicklungsstandes nicht versteht, sowie die Androhung sexueller Gewalt und die öffentliche Verbreitung sexueller Inhalte über das Opfer.

Verbale Gewalt ist alles, was der Täter zum oder über das Opfer sagt, um ihm oder ihr zu schaden.

Sozioökonomische Gewalt ist die ungerechtfertigte Kontrolle oder Beschränkung eines Opfers bei der Verfügung über Einkommen oder Vermögen, mit dem das Opfer selbständig verfügt oder verwaltet, oder die ungerechtfertigte Beschränkung der Verfügung oder Verwaltung des gemeinsamen Eigentums von Familienmitgliedern. Es ist auch die ungerechtfertigte Nichterfüllung finanzieller oder vermögensrechtlicher Verpflichtungen gegenüber einem Familienmitglied oder die ungerechtfertigte Verlagerung finanzieller oder vermögensrechtlicher Verpflichtungen auf ein Familienmitglied.

Vernachlässigung ist eine Form der Gewalt, bei der der Täter die angemessene Fürsorge für das Opfer aufgibt, die aufgrund von Krankheit, Behinderung, Alter, Entwicklungsstand oder anderen persönlichen Umständen erforderlich ist.

Stalking ist ein vorsätzlicher, wiederholter unerwünschter Kontakt, Verfolgung, physisches Eindringen, Beobachtung, Zurückhaltung an Orten, an denen sich das Opfer bewegt, oder eine andere Form des unerwünschten Eindringens in das Leben des Opfers. Eine direkte Interaktion zwischen Täter und Opfer ist nicht notwendig, um von Stalking zu reden.

Soziale Faktoren bei häuslicher Gewalt

Spontanität und Zufall sind für die Erklärung häuslicher Gewalt viel weniger von Bedeutung als die sozialen Bedingungen von Opfern und Tätern. Tatsächlich handelt es sich bei häuslicher Gewalt um ein soziales Phänomen, und als solches sollten soziale Faktoren berücksichtigt werden. Darauf beruhende prädiktive Modelle sind daher bei der Gestaltung präventiver Maßnahmen von Bedeutung und bei der Ausbildung von Polizeibeamten.

In diesem Sinne ist es wichtig, dass Polizeibeamte über ein profundes Wissen über den sozialen und wirtschaftlichen Hintergrund der Wohngegend der Opfer verfügen (Social Mapping) und diejenigen Gegenden identifizieren können, in denen die Prävalenz häuslicher Gewalt über dem Durchschnitt der Stadt oder Region liegt. Mit diesen Hintergrundwissen sollte es für die Polizeieinheiten einfacher sein, störenden Vorkommnisse regional zu erfassen.

Dieser Ansatz würde die Etablierung von Frühwarnsystemen/Modellen (zur Krisenvorhersage) ermöglichen, wobei nicht nur von einem reaktiven, sondern auch von einem proaktiven Ansatz ausgegangen wird. Dazu könnten die Prinzipien der wissensbasierten und der problemorientierten Polizeiarbeit (Lernen mit der Gemeinschaft) genutzt werden. Die Voraussetzung für die Entwicklung solcher Modelle wären Bereitschaft zu multidisziplinärer Teamarbeit; Möglichkeiten zur Auswertung großer Datenmengen; neue Methoden der Datenerhebung/-sammlung (sowohl qualitativ als auch quantitativ); Möglichkeit zum Informationsaustausch und die Bereitschaft zur Entwicklung neuer präventive sensibilisierende Maßnahmen in Zielgebieten.

Ablauf eines Notrufs

Zusätzlich zu allgemeinen Informationen sind weitere Informationen erforderlich, z.B. die Umstände des Anrufs (Tonfall, Hintergrundgeräusche, …), Art der Straftat (Gewaltformen), verwendete Mittel (Messer, Stock, Pistole, …), in der Vergangenheit nicht gemeldete Verstöße, Besonderheiten des Ortes des Verstoßes (Erreichbarkeit, …).

Entsendung einer Polizeistreife an den Tatort

Den Polizeibeamten werden Informationen über den mutmaßlichen Täter zur Verfügung gestellt, nämlich: Besitz einer Waffe, Vorstrafen, eventuell eine anwendbare einstweilige Verfügung.

Anreise zum Tatort und Beginn der Intervention

Schaffung eines sicheren Umfeldes für den Polizeieinsatz. Unmittelbar nach dem Betreten der Wohnung ist es wichtig, entschlossen zu handeln (dem Opfer Vertrauen entgegenzubringen, dem Täter die klare Botschaft zu vermitteln, dass Gewalt inakzeptabel ist). Polizeibeamte und Polizeibeamtinnen müssen Täter und Opfer physisch voneinander trennen. Um die Zerstörung von Beweisen zu verhindern, müssen die Befragungen getrennt durchgeführt werden. Polizeibeamte sollten Kindern zuhören, wenn diese mit ihnen sprechen möchten.  Polizeibeamte sollten mögliche Verletzungen der Opfer erkennen und ihr Verhalten beobachten. Außerdem sollten sie den Tatort inspizieren und mögliche Beweise sichern und beschlagnahmen.

Für die Polizei relevante Indikatoren für häusliche Gewalt
  • Der stärkste Indikator für zukünftige Gewalt ist das aktuelle und vergangene Verhalten des/der Verdächtigen
  • Frühere Anrufe bei der Notrufzentrale (an dieselbe Adresse)
  • Verletzungen und Prellungen
    • insbesondere Kopf-, Hals- und Gesichtsverletzungen
    • Blutergüsse verschiedener Stadien
    • erlittene Verletzungen passen nicht zur Anamnese
    • Bissspuren, ungewöhnliche Verbrennungen
  • Anzeichen von Misshandlung (bei Missbrauch von Kindern oder älteren Menschen)
  • das Opfer hat Symptome von Depression und Angst
  • Hinweise für Alkohol- oder andern Drogenmissbrauch
  • Aufdringliche “andere Person”, die das Opfer unterstützt, einschließlich Partner oder Ehegatte, Eltern, Großeltern oder ein erwachsenes Kind (insbesondere bei Gewalt im Zusammenhang mit der Ehre und Missbrauch älterer Menschen).
  • Kinder, die sich verstecken
  • Kinder schlafen trotz des lauten Kampfes
  • Beschädigtes Eigentum, zerrissene Kleidung
  • Opfer zögert über den Vorfall zu sprechen
Wie kann man ein Opfer von häuslicher Gewalt befragen?

In jeder Situation, in der man das Vorliegen von häuslicher Gewalt vermutet, kann man indirekt und dann direkt danach fragen. Wenn man Bedenken hat, dass eine Person häusliche Gewalt erlebt, sollte man mit ihm oder ihr allein sprechen, getrennt von seinem oder ihrem Partner bzw. Partnerin oder anderen Familienmitgliedern. Zu Beginn einer Situation, die misstrauisch macht, kann man immer allgemeine Fragen darüber stellen, ob die gegenwärtige Beziehung oder andere häusliche Beziehungen des Opfers sich auf sein bzw. ihr Wohlbefinden auswirken. Es ist wichtig, unvoreingenommen zuzuhören.

Zum Beispiel:

  • „Wie läuft es zu Hause?“
  • „Wie kommen Sie und Ihr Partner bzw. Ihre Partnerin miteinander aus?“

Es ist wichtig zu wissen, dass einige Opfer, die zu häuslicher Gewalt befragt werden, sich eher offenbaren, wenn sie in einer sicheren Umgebung befragt werden. Neben indirekten Fragen kann man auch direkte Fragen zu jeglicher Art von Gewalt stellen.

Zum Beispiel:

  • „Gibt es Zeiten, in denen Sie Angst vor Ihrem Partner bzw. Ihrer Partnerin oder einem anderen Mitglied Ihrer Familie haben?
  • „Sind Sie um Ihre Sicherheit oder die Sicherheit Ihrer Kinder besorgt?“
  • „Fühlen Sie sich durch die Art, wie Ihr Partner bzw. Ihre Partnerin oder ein anderes Mitglied Ihrer Familie Sie behandelt, unglücklich oder deprimiert?
  • „Hat Ihr Partner bzw. Ihre Partnerin oder ein anderes Mitglied Ihrer Familie Sie jemals verbal eingeschüchtert oder verletzt?“
  • „Hat Ihr Partner bzw. Ihre Partnerin oder ein anderes Mitglied Ihrer Familie Sie jemals physisch bedroht oder verletzt?“
  • „Hat Ihr Partner bzw. Ihre Partnerin oder ein anderes Mitglied Ihrer Familie Sie jemals zum Sex gezwungen, obwohl Sie es nicht wollten?“
  • „Häusliche Gewalt kommt sehr häufig vor. Ich frage oft, wenn ich auf Grund eines Notrufes in ein Haus komme, ob Gewalt ausgeübt wurde, denn niemand sollte in Angst vor seinem Partner bzw. Partnerin oder einem anderen Mitglied der eigenen Familie leben müssen.“

Wenn das Opfer offenbart, häusliche Gewalt zu erleben, ist es empfehlenswert, ein Risikobeurteilungsformular zu verwenden (z.B. DASH [Link zum Risikobeurteilungsmodul]). Denken Sie daran, alle Fragen im Fragebogen/der Checkliste zu stellen, da das Opfer zögern könnte, einige heikle Themen von sich aus offenzulegen, oder der Meinung ist, dass es normal ist, in der Beziehung missbraucht zu werden. Wenn die Sprachkenntnisse der Person ein Hindernis für die Erörterung dieser Fragen darstellen, sollte man mit einem qualifizierten Dolmetscher zusammenarbeiten. Der Partner bzw. die Partnerin, andere Familienmitglieder oder Kinder sollten nicht als Dolmetscher verwendet werden. Es könnte die Sicherheit des Opfers gefährden oder es könnte ihnen unangenehm sein, über ihre Situation zu sprechen.

Reaktion auf die Offenlegung von Gewalt

Ihre unmittelbare Reaktion und Haltung, wenn ein Opfer häusliche Gewalt offenbart, macht einen Unterschied. Als erste Reaktion auf die Enthüllung ist es von großer Wichtigkeit, dass die Opfer angehört werden, das Gehörte validiert und ihre eigene Sicherheit und die ihrer Kinder beurteilt wird. Außerdem müssen sie auf ihrem weiteren Weg aus der Gewalt und in eine sichere Umgebung unterstützt werden.

Zuhören

Richtig angehört zu werden ohne dabei ver- oder beurteilt zu werden, kann für ein Opfer, das häusliche Gewalt erfahren hat, eine stärkende Erfahrung sein.

Vermittlung, dass man den Opfern glaubt

„Das muss beängstigend für Sie gewesen sein.“

Validierung der Entscheidung zur Offenlegung

„Es ist gut, dass Sie darüber gesprochen haben und ich verstehe, wie schwierig es ist, darüber zu sprechen.“

Betonung der Unannehmbarkeit von Gewalt

„Gewalt ist inakzeptabel. Sie haben es nicht verdient, so behandelt zu werden.“

Deutlich machen, dass das Opfer nicht schuld ist

Es sollte der Eindruck vermieden werden, dass das Opfer für die Gewalt verantwortlich ist, sie ausgelöst hat oder dass er bzw. sie in der Lage ist, die Gewalt zu kontrollieren, indem er bzw. sie sein bzw. ihr Verhalten ändert.

Keine Fragen stellen, die bei dem Opfer zusätzlichen Stress und ein Gefühl der Ohnmacht auslösen könnten – die folgenden Fragen müssen vermieden werden:

  • „Warum verlassen Sie Ihren Partner bzw. Ihre Partnerin nicht?“
  • „Was hätten Sie tun können, um diese Situation zu vermeiden?“
  • „Warum hat er/sie Sie geschlagen?“
Umgang mit Tätern
  • Müssen respektvoll behandelt werden, um zu deeskalieren
  • Notwendigkeit der Abkühlung (z.B. in einer Arrestzelle)
  • Polizeiliche Maßnahmen wie Warnreden oder Kontaktverbote einsetzen

Richtlinien beim Abfassen einer Strafanzeige
  • Denken Sie daran, dass häusliche Gewalt nicht immer mit körperlicher Gewalt einhergeht.
  • Wenn es Anzeichen oder Berichte anderer über Vernachlässigung oder wirtschaftliche, digitale, physische oder sexuelle Gewalt gibt, die eine Straftat darstellen könnten, reichen Sie immer eine Anzeige ein.
  • Informieren Sie immer das Jugendamt, wenn Kinder beteiligt sind.

Der Polizeibeamte muss das von dem oder der Geschädigten unterzeichnete Protokoll über die Zulassung einer mündlichen Strafanzeige aufnehmen. Es ist wichtig so viele kriminelle Handlungen wie möglich in das Protokoll über die Zulassung einer mündlichen Strafanzeige (es hat Prozesswert) oder in den offiziellen Vermerk (wenn das Protokoll über die Zulassung einer mündlichen Strafanzeige nicht akzeptiert werden kann) einzutragen. Es muss rechtzeitig im Rahmen des geltenden Rechts festgelegt werden, ob es sich um eine Straftat handelt, Beweise müssen beigefügt werden, es sollte schriftlich festgehalten werden, wem das Opfer die Gewalt offenbart, ärztliche Bescheinigungen sollten beigefügt werden usw.

Beweissicherung

Polizeibeamte müssen Information von medizinischem Personal, Schulpersonal, Arbeitgebern, Verbänden einholen und den/die Verdächtige/n anhören. Grundsätzlich können Befragungen von Kindern und Minderjährigen nur mit der Erlaubnis eines Elternteils durchgeführt werden, es sei denn, sie sind gefährdet. Zu diesem Zeitpunkt vertritt ein Experte die Rechte des Kindes gegenüber den Sozialdiensten.

Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass Gewalt in privaten Beziehungen lange verborgen bleibt. Dies ist häufig so, da es dem Opfer aufgrund der engen persönlichen Beziehung zum Täter schwerfällt, sich zum Verlassen der gewalttätigen Beziehung zu entschließen. Insbesondere wenn es Kinder in der Familie gibt, fällt dies schwer. Gewalt beginnt oft mit psychischer Gewalt. Das Opfer erkennt ein solches Verhalten zunächst nicht als gewalttätig, selbst wenn es keine Kontrolle mehr über sich selbst, seine Zeit, seinen Körper und seine persönlichen Wertgegenstände verfügt. Gewalt hat immer psychische und physische Folgen, insbesondere ist das traumatisch für Kinder. In polizeilichen Verfahren ist es daher immer notwendig, das Ziel zu verfolgen, die Gewalt zu beenden, das Opfer zu schützen, qualitativ hochwertige Beweise zu sammeln und geeignete Maßnahmen gegen den Täter zu ergreifen.

Risikobeurteilung

Sicherstellen, dass die Risikobewertung die Geschichte der Gewalt einschließt und die Angst des Opfers einbezieht.

Im Prozess der Risikobewertung sollten Sie folgende Risikofaktoren identifizieren und dokumentieren:

Verdächtiger ist

  • wendet Gewalt häufig an
  • wendet intensivere (schädliche, verletzende) Gewalt an
  • ist kontrollierend, aber auch abhängig vom Opfer

Der Verdächtige hat zuvor

  • physische Gewalt angewandt
  • verwendete Zwangskontrolle
  • würgte das Opfer, verfolgte das Opfer
  • erlebte negative Veränderungen im Leben

Der Verdächtige

  • hat psychische Gesundheitsprobleme
  • missbraucht Drogen
  • drohte, das Opfer zu töten
  • wendete sexuelle Gewalt an
  • hat Zugang zu Schusswaffen
  • hat bei der letzten Tat eine Waffe benutzt
  • hat frühere Einträge im Strafregister
  • hat zuvor einstweilige Verfügung verletzt

Opfer

  • plant eine Scheidung oder Trennung
  • ist schwanger oder bekommt ein Kind

Im Prozess der Risikobeurteilung ist es von entscheidender Bedeutung, die Verletzbarkeitsfaktoren des Opfers zu erkennen und zu identifizieren:

Opfer

  • ist eine ältere Person
  • ist eine behinderte Person
  • ist von der verdächtigen Person abhängig
  • ist Einwanderer oder Flüchtling
  • ist minderjährig
  • ist obdachlos
  • ist Analphabet
  • gehört zu einer sexuellen oder geschlechtsspezifischen Minderheit

Erfahrungen von Opfern

  • starke Angst
  • soziale Isolation
  • Fragen der psychischen Gesundheit
  • Fragen des Drogenmissbrauchs

Die Familie oder Gemeinschaft des Opfers oder Verdächtigen rechtfertigt Gewalt durch Ehre, Kultur oder Religion.

Rote Flaggen: Sofortiger Opferschutz ist notwendig!

  • Opfer zeigt Anzeichen von Strangulation
  • Opfer hat vor kurzem angekündigt, sich vom Täter/Täterin zu trennen

Das Eingreifen der Polizei sollte eine Sicherheitsplanung mit dem Opfer beinhalten. Der Sicherheitsplan enthält in der Regel mögliche Maßnahmen für typische Szenarien (z.B. wenn das Opfer weiterhin mit dem Täter zusammenlebt, wenn das Opfer die missbrauchende Beziehung verlassen will und wenn das Opfer nicht mehr mit dem Täter zusammenlebt).